Laut einer deutschen Studie haben fast 27% der befragten Männer physische Gewalt durch eine Partner*in erlebt — und keiner von ihnen rief die Polizei. Das Thema ist tabuisiert, die Infrastruktur fehlt, und gesellschaftliche Rollenmuster machen es Betroffenen nahezu unmöglich, Hilfe zu suchen. Für dieses Projekt habe ich eine Kampagne konzipiert, die mit zwei klar getrennten Kommunikationskanälen arbeitet: einer gesellschaftlichen Sensibilisierungslinie und einer direkten Hilfslinie für Betroffene und Angehörige. Bewusst ohne Fotos — keine Opferrollen, keine Dramatisierung. Stattdessen: Phrasen aus der Kindheitserziehung, eingeengt in einen engen visuellen Rahmen. Das Unbehagen entsteht durch Komposition, nicht durch Inhalt. Die Hilfsseite folgt einer komplett anderen Designsprache: offen, klar, sicher. Vom ersten Eindruck bis zum "Emergency Exit" — einem Link zur Wikipedia-Tagesseite, der die Nutzung verschleiert, falls sich jemand beobachtet fühlt. Jede Entscheidung hat einen psychologischen Grund. Das ist kein Plakat, das ist kommunikatives Systemdesign.